zum Lebensende

Symbolik der fertiggestellten Grabstätte von Heinz und Anni Trauboth

Liebe Freunde und Verwandte,

nun ist unsere Grabstätte endlich fertig.

Die Fertigstellung dauerte so lange, weil alle Komponenten von verschiedenen Künstlern und Handwerkern mit unterschiedlichen Terminen hergestellt werden mussten. Zuletzt kamen die Gärtner dran. Alle diese Personen haben ihre Ergebnisse nach meinen Wünschen zu meiner Zufriedenheit geliefert! Die Gestaltung unseres Grabmals haben wir, Anni und ich, gemeinsam bestimmt. Dieses Grabmal soll unseren einmaligen „Fußabdruck“ in dieser Welt hinterlassen.

Was soll die Symbolik der außergewöhnlichen Grabstätte ausdrücken?

Diese Grabstätte skizzierten und ließen wir herstellen als Tor mit getrennter gravierter Platte für den Text – vor ca. 30 Jahren um 1990; denn der Tod kommt unberechenbar. Um diese Zeit musste Annis gefährlicher Darmverschluss über eine zweite Öffnung ihres Bauches schwierig operiert werden. In der vorangegangenen heiklen Magen-Darm-Operation (gegen Krebs neu nach Whipple) wurde Annis Bauch erstmals geöffnet. Bei beiden Operationen stand der Tod vor der Tür. Anni stand diese Operation trotz vieler heikler Situationen zu unserer Freude gut durch.

Ich schlug vor, das Tor einfach aus zwei senkrechten schlanken Felssteinen mit einem darüber gelegten Felsstein zu bilden. Der Bildhauer Gerhard Huber, Karlsruhe legte uns aber seinen kühnen Entwurf vor: Ein in geschlossener (ewiger) Doppel-Schleife geformtes sand-gestrahltes Edelstahltor aus geraden hohlen Teilen mehrfach zusammengeschweißt, die sogar klingen, wenn man sie anklopft. Dieses Tor wirkt durch diese Konstruktion leichtgewichtig. Wenn die Oberfläche geschliffen wird, kann sie Licht reflektieren und leuchten. Das geht nur mit Edelstahl, der erst in den 1950-er Jahren kostengünstig unter Edelgas-Atmosphäre geschweißt werden konnte.

Warum ein Tor?

Dieses Tor trennte bzw. öffnete den Weg in unserem Garten nüchtern zwischen vorderem Ziergarten und hinterem Nutzgarten. Im Tod wechseln wir vom irdischen Leben zum ewigen geistigen Leben, das Jesus seinen erschrockenen Jüngern, die ihn nach seiner Auferstehung als Geist fürchteten, energisch so erklärte: Fasst in meine Wundmale und seht, dass ich geistig wie körperlich als Individuum eindeutig erkennbar bin, so auch ihr im Himmelreich meines Vaters! Das Tor ist ein Symbol der Hoffnung und Zuversicht, und nicht des Todes, was man nur im Glauben an Christus verstehen kann.

Die glänzende Haut des Tores strahlt das Licht der Sonne zum Besucher zurück, vor allem am Abend, zum Triumph des verheißenen Lebens. Für uns Beide gelten Jesu Worte: „Ihr seid das Licht der Welt. So lasst Euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie Eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5,14). Die trauernden Menschen sollen sich am friedvollen Sinn des Tores erfreuen, gemäß dem Namen des Orts der Grabstätte, dem Friedhof, dem Ort des ewigen Friedens, und nicht des Todes. Unser Grabmal will die Auferstehung von den Toten in den Vordergrund stellen gegenüber dem Tod. Wie auch Luther sagte: Ohne Auferstehung gibt es kein Christentum!

Nach Annis Tod ließ ich die Textplatte verlängern, um unsere enge, im gemeinsamen Glauben gefestigte lange und oft belastete Beziehung symbolisch auszudrücken. Auf dieser Platte ließ ich drei Sinnbilder montieren. Die beiden gekreuzten Rosen zeigen unsere enge Verbundenheit, links Annis rote und rechts meine weiße Rose. Das schlichte goldene Kreuz bedeutet der uns verbindende christliche Glaube, der geheimnisvoll getragen ist von Gottes starker Hand. (Anni betonte oft, dass sie ohne ihren Glauben die meist vom Krebs verursachten gesundheitlichen Einschränkungen nicht hätte ertragen können.)

Der grün bepflanzte Boden vor dem Tor symbolisiert die fruchtbare irdische Welt. Hinter dem Tor weist die grau-bläuliche Bepflanzung auf das uns zugesagte Himmelreich – mit seiner Licht ausstrahlenden gelben Sonne. Licht mit seiner natürlichen spektralen Zusammensetzung, ein Gottes Geschenk an uns Menschen, lässt uns bis in die Tiefen des Weltalls die Fülle von spektakulären Naturphänomenen bestaunen.

Denkt beim Betrachten dieser Grabstätte über Euren Lebensweg nach und erinnert Euch Eurer vielen schönen gemeinsamen Erlebnisse in Dankbarkeit. Dazu bietet Gott uns seinen Heiligen Geist zu Pfingsten an. Diese Einstellung hilft mir, meine gelegentlichen tristen Momente der Traurigkeit über Annis qualvollen Tod zu überwinden.

Mit herzlichen Grüßen

Heinz

Anmerkung:

Von Annis beiden Chefärzten erhielt ich keinen Bericht über ihre 7-wöchige Klinikbehandlung (vor Corona!) incl. der erfolgreichen schweren Operation ihres Oberschenkelhals-Bruchs durch eine Oberärztin, der kritischen Behandlung ihrer schweren Vorerkrankungen, ihres speziellen Diäts und den mir angekündigten, aber nicht erfolgten Maßnahmen zu ihrer Rettung. Den Kardiologen, der sie ambulant und stationär über einige Jahre behandelt hatte, konnte ich überhaupt nicht sprechen, er schickte mir auch keine Rechnung! Keiner der behandelnden Chefärzte sprach mich zu Annis Tod an. Eine fremde Bürodame teilte mir nüchtern Annis Todeszeit auf die Minute genau telefonisch mit. Annis persönliche Sachen wie zwei teure Akku-Hörgeräte konnten wegen Corona nicht abgeholt werden. Nach einem Jahr sind sie nun nicht mehr auffindbar. Wo blieb hier die verfassungsmäßig garantierte Würde des Menschen??

Der Ausdruck „Wir sind nur Gäste in dieser Welt in der Bibel, Hebräer Brief 13.14 von Paulus:

„Denn diese Welt ist nicht unsere Heimat; wir erwarten unsere zukünftige Stadt erst im Himmel.“

Im 2. Korinther Brief, Kap. 5 steht:

Im Himmel haben wir unseren Körper (die Materie) abgestreift;

dort herrscht der Geist Gottes. Hier auf der Erde ist z. B. die Musik eine geistige Kraft in ihren Tönen. Die Israeliten pflegten bereits früh in ihrer Geschichte die gemeinschaftliche Musik auf Saiten- und Blasinstrumenten und Trommeln. Die Psalmen wurden gesungen. Der (spätere König) David spielte vor dem König Saul die Harfe gegen dessen Schwermut. Beim Wiederaufbau des zerstörten 1. Tempels spielte ein großes Orchester zur Ermunterung der Arbeiter. Allein das Christentum unter den Weltreligionen führte zu einer Hochkultur der Musik über Jahrhunderte. Heute ist der weltweite prozentuale Anteil von jüdischen Musikern in allen Arten von Musik sehr hoch. So ist der (jüdische) Sänger, Poet und Komponist Bob Dylan einziger Nobelpreisträger!

Die deutsche Friedhofskultur ist Immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe! Das Grabmal Trauboth entspricht deren Friedhofssatzung, aber nicht der von Weingarten. Daher will die politische Führung der Gemeinde Weingarten es entfernen!