Von der Seilerei zur Heimstatt für Kunst und Technik

1621 – 2021

In der wechselnden Bedeutung des Anwesens Fränkischer Hof in Weingarten/Baden über den langen Zeitraum von 400 Jahren, in dem viele Generationen von Menschen im Haus und im näheren Umfeld lebten, sind viele Aspekte zu betrachten. So sind die wechselvollen Einflüsse auf die Bausubstanz, die Nutzung des Anwesens und seine Beziehungen zu den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen zu betrachten. Die magere Dokumentation über die frühen Lebensverhältnisse macht es schwer, verlässliche Aussagen zu treffen. Ich stütze mich im Wesentlichen auf Wikipedia und auf die Chronik Tausend Jahre Weingarten (Baden) 1985, von Wilhelm Kelch, der mit Akribie, Eifer und Verantwortungsbewusstsein vorging. Er war kein ausgebildeter Historiker, was nicht die Qualität seiner Arbeit schmälert. Er hat noch mehrere eindrucksvolle Bücher über das frühere Leben im Umfeld von Weingarten geschrieben. Klaus Geggus vom Bürger- und Heimatverein hat mir viele wichtige Hinweise und Zahlen über geschichtliche Ereignisse gegeben.

Um das Schicksal des Anwesens, heute Fränkischer Hof (kurz F.H.) genannt wegen des Baustils einer fränkischen Hofanlage, in seiner Anfangszeit zu verstehen, muss man sich in die damaligen verworrenen politischen und religiösen Umstände versetzen. Sie ähneln den heutigen undurchschaubaren Verhältnissen im Nahen Osten. Drei Jahre nach Beginn des schrecklichen 30-jährigen Kriegs in 1621, 100 Jahre nach der Reformation, wurde das Haus F.H. für zwei Familien erbaut. Die Erbauer sind unbekannt. Nach 1700 betrieb die Familie Streit (laut Ortssippenbuch OSB aus der Schweiz eingewandert) eine Seilerei im 15 m langen, 9 m breiten und 4 m hohen Tonnengewölbe-Keller für Seile bis max. 12 m Länge, die in der Land-, Fuhr- und Bauwirtschaft eingesetzt wurden, und sie wohnten im Obergeschoss. (Prof. E. Huxhold, Experte für Fachwerkhäuser im Kraichgau, versicherte mir um 1980, dass das Anwesen F.H. nicht als Bauernhaus gebaut wurde, da im Keller die Fenster-Laibungen zu groß an Lichteinfall sind, so dass hier keine Nahrungsmittel gelagert werden konnten.) Die zweite Familie Cantzler (später Kanzler) wohnte im Haus und ist namentlich erst 100 Jahre nach der Erbauung des Hauses im Stammbaum genannt. Sie hatte beruflich nichts mit der Seilerei zu tun. Welche Beziehungen zwischen beiden Familien bestanden, ist unbekannt. Deren Berufe wie Metzger aus Bruchsal, Glasermeister, Bürgermeister und Steueradäquator waren fern von der Seilerei. Ein Spross der Familie Kanzler, die nicht im F.H. wohnte, brachte es 1885 vom einfachen Korporal zum schlachterprobten General und Oberbefehlshaber der päpstlichen Armee des Kirchenstaates u.a. gegen die Truppen des Freiheitskämpfers und Italiens Vereiniger Garibaldi. Es gab hier eine familiäre Beziehung. Der erste im OSB genannte war Philipp Adam Cantzler (OSB4725), Metzger aus Bruchsal, gestorben 1766 in Weingarten. Dessen Enkel Franz Josef Kanzler (OSB4730) hatte sich hochgearbeitet zum Glasmeister, Landwirt und Bürgermeister (Vogt) gest. 1791. Der berühmte Baron Hermann Kanzler (1822-1888) General der päpstlichen Truppe, war ein Neffe von ihm und seine Eltern wohnten in seiner Kindheit in der alten Schule (Kirchstr. 27). Die Familie Krumes hat sie um 1980 saniert, ein Steuerbüro eingerichtet und wohnt dort. Hermann Kanzler setzte sich für die Rechte des Papstes ein entgegen der badischen Regierung. Er ging nach Rom, um in der Armee des Papstes zu dienen und kämpfte erfolgreich gegen die unterlegenen Aufständischen des großen Freiheitskämpfers und Italien-Einigers Garibaldi. Er stieg auf zum bedeutenden General und Oberbefehlshaber des Papstes bei Schlachten (in Mentana 1867). In dieser Zeit nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 stellte sich der (protestantische) Reichskanzler von Bismarck im Kulturkampf gegen den streng konservativen Papst Pius IX und die kath. Kirche, um die staatliche Kontrolle des Bildungswesens und die politische Abstinenz der Geistlichen in der Kirche zu gewährleisten. Dieser Papst Pius IX versuchte, die verlorengegangene Macht des Katholizismus zurückzuholen. So setzte er 1870 die Lehre durch, dass der Papst in Ausübung seines obersten Lehr- und Hirtenamtes unfehlbar ist. Die damaligen Entscheidungen wirken bis heute nach; so auch Hermann Kanzlers Wirken!

Während die Kanzlers katholisch waren, kam die Familie Streit aus Thun im Berner Gebiet und waren protestantisch. Der im Sippenbuch zuerst genannte war Christoph Streit (OSB10361). Sein Sohn Christian und weitere zwei Generationen waren Seiler. Erst Johann Georg Streit (OSB10364) und mehrere nachfolgende Generationen waren dann Bauern. Die Infos aus dem Ortssippenbuch zeigen immer wieder, dass viele Einwanderer ihr Handwerk mitbrachten oder erst in dem Weingartener Marktflecken erlernten, oft nebenbei auch noch Bauern waren.

In der Grafik ist die Einwohnerentwicklung von Weingarten im Laufe der Jahrhunderte dargestellt. Die wirtschaftliche Lage Weingartens war 1621 noch günstig und der Krieg weit weg, was die beachtliche Einwohnerzahl von 2000 Menschen in der Weingartener Erneuerung aus dem Jahre 1617 zeigt.

Die denkwürdige Zahl 1621 war bei meinem Kauf 1978 noch schwach am ursprünglichen(?) Torbogen zu erkennen. Das ansehnliche Haus stand damals ohne nachbarliche Gebäude stolz allein als Blickfang in der Ortsmitte. Karlsruhe existierte noch nicht. Die von Durlach kommenden Fuhrwerke bogen vor dem Bach links ab in Richtung auf den F.H. zu und kurz weiter am Bach entlang, dann nach dem Haus F.H. zur Furt durch den Bach rechts zur Karlstraße, die über die Apothekerstraße in die heutige Bundesstraße B3 nach Norden einmündet. Das Fahren in dieser Furt im Bach war gefährlich und führte später zum Bau der Tullabrücke.

Der Ort Weingarten liegt strategisch wichtig an der Nord-Süd-Verkehrsachse am Rand des Kraichgaus und mitten an der Abzweigung nach Bretten ins Hinterland des Kraichgaus Daher wurde hier der markante Wartturm 1589 erbaut. In Bretten hatte Melanchthon, der enge Weggefährte Luthers, seine Wurzeln und besonders nach Luthers Tod 1546 (den er 14 Jahre überlebte) prägte er den reformatorischen Geist beim Adel mit seinen mehr als einhundert Familien auf zersplitterten Besitzungen im Kraichgau. Auch die Bildungselite wie die der Universität Heidelberg unterstützte Melanchthons Schulreform und die Bevölkerung des Kraichgaus ging mit. Der Kraichgau war eine Hochburg des Protestantismus! Weingarten, das Oberamt Bretten, Heidelsheim, Wiesloch, Zaisenhausen waren kurpfälzische Exklaven, und rings um den Marktflecken war politisches Ausland (Markgrafschaft Baden bzw. Bistum Speyer). Der gesamte nördliche Teil des Kraichgaus gehörte staatsrechtlich zur Kurpfalz unter dem damaligen calvinistischen Kurfürsten von der Pfalz Friedrich V (1596-1632). Dieser entstammte einem politisch verwickelten und ehrgeizigen Adel des bayrischen Hauses Wittelsbach und war als 22-Jähriger unerfahren. Er nahm 1619 die von den rebellierenden protestantischen böhmischen Ständen angebotene böhmische Königskrone im fernen Prag an. Damit stellte er sich gegen Kaiser Ferdinand II aus dem katholischen Haus Habsburg und Oberhaupt des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation. Er verlor bei seinem Versuch, die Kurpfalz als führende protestantische Macht im Heiligen Römischen Reich zu positionieren, verstrickte sich in die durch religiöse Gegensätze verursachten politischen Wirren Europas. 1620 wurde Friedrich V vom Kaiser bei Prag besiegt, verlor seine Kurwürde, wurde in die Reichsacht versetzt und vom Kaiser tödlich verfolgt.

Nur ein Jahr nach der Erbauung des F.H. (!) fielen die Söldnertruppen des Kaisers unter seinem Oberbefehlshaber Tilly 1622 überraschend in den Kraichgau und auch in Weingarten ein. Sie brannten dabei sicherlich auch den Fachwerk-Oberbau des F.H. ab. Vielleicht blieb die Seiler-Werkstatt erhalten. Brandschatzung war damals die einfachste und schnellste Methode, ein Haus unbewohnbar zu machen. Das über 400 Jahre erhaltene hohe Tonnengewölbe und Mauerwerk einschließlich Torbogen aus grob geschlagenen Kalksandsteinen gemauert zeugt vom großen handwerklichen Geschick der damaligen Bauleute. Die Einwohnerzahl Weingartens sank drastisch innerhalb von 20 Jahren in 1640 auf 50. Der Ort wurde in diesem fürchterlichen Jahrhundert, insbesondere durch den Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689, praktisch ausgelöscht. Sehr wahrscheinlich brannte das obere Fachwerk des exponiert liegenden An-wesens F.H. ab. Von 1675 – 1730 wanderten durch Förderung der Obrigkeit und durch die kriegerischen Konflikte im Umland wie den Niederlanden viele Familien aus weniger verwüsteten, aber bevölkerungswachsenden Gebieten ein.

Der abtrünnige Kurpfalz-Regent Friedrich V, von den Kaiserlichen als „Winterkönig“ (für einen Winter gekrönt) verspottet, sollte wohl in seinem protestantischen Kernland endgültig von Tilly, dem Feldmarschall des Kaisers, persönlich geschlagen werden. Zunächst konnten die protestantischen Truppen unter Friedrich V die Schlacht bei Mingolsheim (40 km entfernt von Weingarten) im April 1622 für sich entscheiden. Aus rein strategischen Gründen hatte Friedrich V das Dorf Mingolsheim niederbrennen lassen. In den folgenden Monaten erlitten sie jedoch schwere Niederlagen, weil sie den Kaisertreuen zwar zahlenmäßig überlegen waren, es ihnen jedoch nicht gelang, sich im Kampf zu vereinigen. Wenig später eroberte Tilly die gesamte Pfalz. Im Sept. 1622 fiel Heidelberg [19] und im November Mannheim. Heidelberg mit seiner fortschrittlichen angesehenen Universität war zum deutschen Genf, also einem bedeutenden Zentrum der calvinistischen Gelehrsamkeit in Europa, geworden. Die neuen Satzungen und Statuten der Universität waren zu einem großen Teil von Philipp Melanchthon 1557 ausgearbeitet worden. Später 1633/34 besetzten schwedische Truppen des protestantischen Königs Gustaf Adolf das badische Weingarten, begleitet von Zerstörungen, Plünderungen und Verwüstungen von Feldern. Man muss bedenken, dass die Söldnertruppen ihre Versorgung mit Nahrungsmitteln für sich und ihre Pferde nicht bei sich hatten, sondern diese plünderten sie bei den ortsansässigen Bauern. Deshalb musste die gesamte Zivilbevölkerung im Krieg so stark leiden.

So wurde Weingarten und damit auch der F. H. zum hilflosen Spielball europäischer christlicher Großmächte im Verbund mit einem irrational religiös-verbrämten Machtspiel der regionalen Aristokraten. Wegen wachsender Bevölkerung und begrenzter Landwirtschaft in der am Krieg unbeteiligten Schweiz breitete sich dort der Hunger aus und veranlasste viele Schweizer ins nahe Baden, so auch nach Weingarten, aus wirtschaftlichen Gründen auszuwandern. Dabei brachten sie die protestantisch-reformatorische Lehre von Calvin und Zwingli mit in den Kraichgau ebenso wie die politisch und religiös verfolgten Hugenotten, die gleichzeitig aus Frankreich in benachbarte badische Dörfer und Städte einwanderten. 40 % der Einwanderer kamen aus der vom Krieg profitierenden Schweiz bis ca. 1750, wie man heute noch an ihren Namen erkennen kann. Diese Einwanderer halfen später sehr, das Wirtschaftsleben wiederaufzubauen!

Nachdem die Pfalz nach Ende des 30-Jährigen Kriegs 1648 die reformierte (calvinistische) Konfession wieder annahm, wurde auch in Weingarten das seit 1622 zugelassene katholische Bekenntnis wieder durch die reformierte Konfession ersetzt. Durch die wechselnden Religionszugehörigkeiten der adligen Machthaber wechselten zwangsläufig auch die deren untertänige Bevölkerung. So wechselte Weingarten 7-mal seine Konfessionszugehörigkeit zwischen protestantisch, reformiert, lutherisch und katholisch. 1665 wurde die verheerende Pest aus den Niederlanden in den Kraichgau und in Weingarten eingeschleppt, die mehr Opfer forderte als die Kriegseinwirkungen. 1674 überfielen französische Truppen im holländischen Krieg das arme ruinöse Weingarten. Kurz darauf im „Pfälzer Erbfolgekrieg“ u. a. um Liselotte von der Pfalz wegen, in 1689 – 1692 wurde Weingarten abermals komplett niedergebrannt. Der F. H. brannte sicherlich mehrmals nach seinem Wiederaufbau ab. Gleichzeitig dezimierten Hungersnot und Pest die Einwohnerzahl; zeitweise lebten nur noch 28 männliche Bürger im Ort. In 1698-1705 wurde in Weingarten eine Simultankirche für Katholiken und Reformierte eingerichtet, was ein Bemühen um inneren Frieden bekundet. Erst 1700 wuchs die Einwohnerzahl wieder kontinuierlich an. Zahlreiche Neubürger, deren Familiennamen heute noch existieren, kamen auf Veranlassung des Kurfürsten der Pfalz aus der Schweiz. So wanderte auch der Vater von Seilergeselle Ch. Streit um ca. 1700 ein. Er kaufte und baute das Anwesen F. H. wieder auf (siehe Stammbaum der Besitzer des F.H.) Erst ab 1750 gibt es Kirchenbuch-Eintragungen über die Besitzverhältnisse, als sich das Leben langsam stabilisierte.

In der Zeit der Französischen Revolution von 1789 – 1801 war die Gemeinde Weingarten in viele juristische und handgreifliche Streitereien mit der adligen Obrigkeit verwickelt. Erst um 1800 erlangte der Ort wieder 2000 Einwohner. Die Zahl der Arbeiter war bereits gleich der der Bauern. In der friedlichen Zeit von 1800 – 1850 nahm die Bevölkerung in Weingarten stetig zu. 1821 vereinten sich die reformierte und die lutherische Kirche in Baden zur friedlich unierten protestantischen Kirche bis heute. Weingarten wurde in die gewaltsamen Konflikte der Revolution 1848 – 1849 zwischen den Aufständischen und dem badischen großherzoglichen Staat mit dessen Unterstützung durch das preußische Militär hineingezogen u. a. in ein heftiges Gefecht beim benachbarten Durlach und durch die Einquartierung preußischer Soldaten. Nach dem Sieg der großherzoglichen Obrigkeit über die Aufständischen begann eine Säuberung der Gemeindeverwaltungen, auch der von Weingarten. So wurden die zwei aufständischen Rädelsführer, Bierbrauer Ludwig Hill (Bierlou) und der evangelisch-reformierte Pfarrer Grohe, zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren verurteilt.

1795 wie am Gesindehaus eingraviert ist, wurde der F.H. zum Bauernhof mit Scheune, Gesindehaus und Remise erweitert. Nach dem Stammbaum hat wohl der Seiler Georg Streit (1756 – 1837) diese bauliche Erweiterung durchgeführt. Durch die fortschreitende Industrialisierung war wohl die handwerkliche Seilerei nicht mehr lebensfähig, daher wandte sich die Familie der Landwirtschaft zu und wurde zum größten Bauernhof Weingartens. Wir wissen aber nicht, wie die Familie Streit zu dem der großen Scheune entsprechenden Land kam. Um 1850 trennten sich die Familien Streit und Kanzler; dann kaufte wohl der Landwirt und Winzer Franz Josef Gantner (1806 – 1885) das Anwesen F.H.

1823 baute der geniale Karlsruher Ingenieur Johann Gottfried Tulla, der den Rhein begradigt und die Technische Hochschule Karlsruhe gegründet hatte. die Brücke über den (Dreck-)Walzbach. Im 19. Jh. wurde wahrscheinlich das F.H. Haus verputzt, damit das Fachwerk aus Eichenholz verdeckt wurde und die Fassade der städtischen Mode entsprach. 1910 brannte die Scheune zusammen mit mehreren Nachbarhäusern an der Bahnhofstraße ab.

Der Wiederaufbau begann im gleichen Jahr und das nördliche Nachbarhaus wurde dazu neu-erbaut. Beim Aushub der Grube für den Teich im Garten stieß ich auf viele zerborstene Ziegel der abgebrannten Scheune. Brandspuren sind in der Scheune noch sichtbar. Sie wurde umgehend etwas größer wiederaufgebaut. Im August 1941 traf direkt neben dem Haus des F. H. eine englische Fliegerbombe, die die neben dem Bombenkrater befindliche Steinwand herausriss. Sie wurde sofort mit dem im Krieg einzig verfügbarem Material, aus Schutt, ausgebessert. Das war der einzige Schaden; das flexible Fach- und Balkenwerk hat alle Wucht der Bombe abgefedert! Im 2. Weltkrieg bauten die Bewohner der beiden Mitwohnungen Stallungen für Schweine und Hühner in der Remise und im Schuppen hinter dem Gesindehaus zur Erweiterung ihrer Nahrung.

Bezüglich der Religions-Zugehörigkeit der Bevölkerung sind die Evangelischen in ihrer Zahl etwas mehr als die Katholiken neben einigen kleinen evangelisch-geprägten Freikirchen. Um 1525 wird erstmals ein von der Obrigkeit geschützter Jude, ein sog. Schutzjude, als Händler namentlich genannt. Ab 1743 nahm die Zahl der Juden zu; sie erreichte 1825 120 Personen, zu denen wohlhabende Kaufleute, Metzger und Viehhändler zählten wie auch sehr arme hilfsbedürftige Juden. Der Handel war praktisch in jüdischer Hand im Zentrum von Weingar-ten. Die alte Synagoge wurde 1840 durch einen Neubau direkt hinter der heutigen katholischen Kirche ersetzt. Ein Zeichen der großen Toleranz! Die höchste Zahl der Juden in Weingarten von 183 Personen wurden 1864 (laut Wilhelm Kelch) erreicht; durch Umzug in die wachsenden Städte und durch Auswanderung verringerte sich ihre Zahl. Alle jüdischen Ge-schäfte waren in der belebten Ortsmitte gelegen, im Gegensatz zu vielen anderen Orten, wo sich die Juden im äußeren Ortsraum als geschlossene Gemeinde niederließen. Es wird von keinen Konflikten, außer im Dritten Reich, mit den Juden berichtet.

Die kleine jüdische Gemeinde trug wesentlich zum wirtschaftlichen Wohlergehen von Wein-garten bei! Ihr Ansehen in der Bevölkerung war beachtlich, was sich auch in der Progromnacht im Nov. 1938 zeigte, als kein Weingartner gesehen wurde, der sich an der Zerstörung der Synagoge beteiligte. Der Nazi-Zerstörungstrupp kam von außerhalb Weingartens! 1933 lebten 66 Juden hier. 1940 wurden die letzten 24 Juden nach Gürs in Südfrankreich in ein KZ-Lager gebracht, von wo aus sie in KZ-Vernichtungslager im Osten kamen. Am Ende des 2. Weltkriegs gab es in Weingarten einige Gefechte zwischen französischen und deutschen Soldaten mit einigen Toten und Verwundeten sowie Gebäudeschäden. Kurz danach übernahm die US-Armee die Besetzung Nordbadens. Amerikamische Soldaten halfen in Weingarten mit ihren schweren Pioniergeräten Rodungen für zusätzliche Weinrebenanlagen wie am Katzenberg am Ortsrand und für Baumaßnahmen der Aussiedler-Siedlung Sallenbusch durchzuführen.

In den Jahren 1946 – 1957 kamen 2ß11 Vertriebene aus den abgetretenen deutschen Ostgebieten, Sudetenland und aus dem Balkan. In dieser Zeit wurde die Siedlung Waldbrücke für diese Vertriebenen außerhalb nördlich des Ortes gebaut, die sich stetig erweiterte. Trotz der örtlichen Entfernung integrierten sich diese Vertriebene gut, oftmals durch Heirat von Vertriebenen mit Einheimischen.

1956 wurde im Hardtwald bei Leopoldshafen das Kernforschungszentrum Karlsruhe KfK gegründet und anschließend erheblich ausgebaut, was in den umliegenden Dörfern wie Weingarten zu einem erheblichen Zuwachs an Siedlungen für die Familien von KfK-Mitarbeitern führte. Diese neuen Mitarbeiter gehörten allen sozialen Schichten an, vom einfachen Arbeiter bis zum elitären Akademiker der Wissenschaft und Technik. Diese Ansiedlung der neuartigen bundesstaatlichen F&E-Einrichtung führte zu weiteren neuen Industrie- und Versorgungsunternehmen im Umland des KFK.

1978, 33 Jahre nach Kriegsende, kaufte ich das traurig dreinschauende marode Anwesen F. H. in Ortsmitte von Weingarten als mein Liebhaberobjekt über einen Makler von zwei geschwisterlichen Erben der ledigen Katharina Gantner, die Letzte der Familie Gantner, die einen „Tante-Emma- Laden“, das Gantner Kättels Lädle, zur Straße hin betrieben hatte. Es wohnten zwei Miet-Familien in zwei Etagen übereinander in diesem Altbau. Bei einer dieser Familien war es schwierig, sie zum Auszug zu bewegen, was den Baubeginn verzögerte. Trotz der schwierigen Sanierung unter vielen schockierenden unerwarteten Umständen, die – Gott sei Dank – zu keinem Unfall führten, bereue ich meine Entscheidung nicht. Ich habe nun 40 Jahre voll Zufriedenheit hier im Anwesen glücklich und wohl geborgen gelebt entgegen den vielen, auch fachmännischen Unkenrufen kurz vor dem Kauf! Das Haupthaus sanierte ich von 1979 – 1981 zusammen mit lokalen Handwerkern, mit einem sizilianischen Arbeitstrupp und mit fünf der sechs Kinder im Pubertätsalter einer befreundeten alleinerziehenden Mutter, die beide Wohnungen dann günstig mietete. Diese Kinder waren handwerklich geschult in der Waldorfschule und begeistert, an der Sanierung des F.H. aktiv teilzunehmen, u. a. auch als berufliches Praktikum für eine geplante, spätere hier anzusiedelnde Schreinerei und ein Architektur-Büro. Ihren Anteil an den Sanierungsarbeiten verwirklichten sie dann auch beharrlich, diszipliniert und geschickt zu meiner vollen Zufriedenheit.

Näheres zur Sanierung können Sie unter Sanierung 79-81 pur nachempfinden.

Während Nachbarn mir abrieten, das alte G’lump herzurichten, halfen mir intensiv lokale Handwerker und Mitarbeiter des Bauzentrums der Fa. Hill (heute Raiffeisen), wo ich Material und Werkzeuge kaufte. Sie berieten mich fachmännisch aus ihren praktischen Erfahrungen heraus. Aber auch riet mir ein helfender Nachbar, Arbeiter im KfK und Nebenerwerbs-Winzer, modern zu sein und den Boden des Hofs, wie er, präzise eben zu betonieren. Ich wollte aber einen gepflasterten Boden, der lebendig ist und durchlässig für grünes Unkraut. Ich weiß nicht wie, fand ich den Innungsmeister der Pflasterer, der den Hof akkurat eben, geordnet nach der Größe der Steine, so gut verlegte, dass sich nach 40 Jahren intensiver Nutzung bei Regen keine Pfützen bilden konnten. Die Pflastersteine des ehem. Stalls rissen einheimische Schüler heraus zur Verwendung im Hof. Die Mehrzahl der nötigen Steine ließen wir mit einem 5 t-Laster aus dem nahen denkmal-geschützten Fachwerkdorf Stein anfahren. Sie waren dort aus dem ehemaligen Farrenstall herausgerissen worden, bevor ein Betonboden für eine Rotkreuz-Station eingezogen wurde.

Die Brauerei Nagel lagerte ihre Eisstangen zur Kühlung ihres Bieres im großen Keller des F. H. Sie war zuletzt im Besitz zweier jüdischer Brüder, von denen der eine Bruder vermutlich ermordet wurde, während der andere in die USA auswanderte und nach Kriegsende das denkmalgeschützte Braugebäude der Gemeinde verkaufte. Seinen Abriss nach dem Willen des Bürgermeisters, des Gemeinderats und der höheren Ämter verhinderte ich später durch Überzeugen des Denkmalschutzamtes für den Erhalt.

2004 kontaktierte ich den Künstler Gunter Demnig in Köln, dass er seine Stolpersteine (kleine mit einer Messingkappe versehene Pflastersteine, in die Gedenkdaten eingeschlagen sind) auf dem Gehweg vor Häusern, die Juden gehört hatten, verlegt. Diese Aktion zum Gedenken an die brutale Ermordung der einheimischen jüdischen Bürger schlug ich für Weingarten mit meiner finanziellen Beteiligung vor. Der Gemeinderat und der CDU-Bürgermeister lehnten dies ab mit der Begründung, dass das nicht zum dörflichen Charakter Weingartens passt! Zwei Jahre später 2006 griffen Schüler der Weingartner Schule zusammen mit der Kolping-Jugend und unterstützt durch den ehemaligen SPD-Gemeinderat Herbert Wieczorek und mir das Thema nochmals auf, diesmal erfolgreich.

Den F. H. stellte ich über alle Jahre hinweg vielen gemeinnützigen Veranstaltungen frei und nur ausnahmsweise mit geringer Miete zur Deckung der Unkosten zur Verfügung. Die meiste Zeit war der F.H. der einzige Hof in Weingarten, der sich dem allgemeinen Publikum öffnete. So war der Bürger- und Heimatverein für ca. 20 Jahre ständiger Gast während der Straßenfeste und Konzerten. Auch der Liedersänger Helmut Seidel veranstaltete mit vielen Künstlern regelmäßig über 20 Liedernachmittage zugunsten der SOS-Kinderdörfer. Vielen anderen musikalischen und künstlerischen Veranstaltungen von Vereinen, Gruppen und von Schülern des Thomas-Mann-Gymnasiums sowie von einzelnen Künstlern stellte ich den Hof und die Nebengebäude mit den technischen Anlagen frei zur Verfügung. Eine Sachkundige der Hoch-schule für Musik, Sabine Schäfer, bestätigte mir, dass die Akustik der Scheune und der ehem. Remise für musikalische Veranstaltungen gut geeignet ist, was sich bei diversen musikalischen Präsentationen bestätigte. Für die oft kostenlose und großzügige Bereitschaft wurde mir und meiner Ehefrau Anni Trauboth immer wieder herzlich gedankt.

Im Juli 2009 eröffneten der Leiter des ZKM Prof. Dr. P. Weibel zusammen mit dem Präsidenten des KIT Prof. Dr. E. Umbach feierlich die offizielle Kooperation zwischen KIT und ZKM. Dazu hielten zwei angesehene Neurologen der Humboldt-Universität und der Charité Berlin wissenschaftliche Vorträge, in denen sie auch die im ZKM gleichzeitig eröffnete künstlerische Installation lobten. Diese Raumklang-LED-Licht-Kunst-Installation des Künstlerpaars S. Schäfer/J. Krebs (SaJo), galt als vorbildlich gestaltete Symbiose von Kunst und Wissenschaft. Dieses Ereignis empfand ich als Aufbruch in eine neue Ära der innovativen Zusammenarbeit von Kunst und moderner Technik! Dieses Ereignis kam mir gerade recht. Nach Ende ihrer Ausstellung im ZKM im Januar 2010 nahm ich dieses Künstlerpaar mit dieser attraktiven Installation mietfrei in meinen Fränkischen Hof freudig auf, da ich ihren Plänen der versprochenen Weiterentwicklung zu verschiedenen Anwendungen glaubte. Dazu baute ich nach ihren Wünschen die Scheune erheblich um. Dadurch schaffte ich im OG einen 100 qm großen Präsentationsraum, und durch verschiebbare Plexiglaswandteile getrennt, einen 60 qm großen Arbeitsraum mit 4 PC-Arbeitsplätzen. Entsprechend den Vorstellungen des Künstlerpaares kaufte ich Möbel und ließ ein Video-Audio-System für gleichzeitige Präsentationen im OG und EG einrichten. Die Holzbaufirma nahm den das Dach tragenden Holzpfosten heraus und ersetzte ihn geschickt durch eine verdeckte zusätzliche Dach-Konstruktion. Ich übernahm alle Kosten von insgesamt ca.60 000 €. (sie selbst halfen mir überhaupt nicht beim für mich beschwerlichen Umräumen vieler Objekte). Leider hielten sich die Künstler nicht an ihre Versprechen; sie präsentierten ihre Installation nicht außerhalb meiner Scheune und entwickelten nichts Neues! Außerdem konnte ich keine Ansprechpartner weder beim ZKM noch beim KIT finden, so dass die Kooperation von IAI/KIT mit dem ZKM überhaupt nicht beginnen konnte! Hier mein Schreiben an den ZKM-Direktor Prof. P. Weibel zum Thema Kooperation zwischen dem KIT und dem ZKM; er beantwortete diesen meinen Brief nicht!

Das Künstlerpaar SaJo entwickelte in den 2 Jahren überhaupt nichts, sondern drängte mich, ihre Installation als Mäzen zu kaufen! Daraufhin beendete ich 2011 die Zusammenarbeit, wie auch die grandios eröffnete Kooperation ZKM/KIT nie zustande kam! Durch diesen Umbau verbaute ich mir nun meinen früheren Plan, von der Dachspitze bis zum beeindruckend ca. 15 m tieferen Scheunenboden eine verdrehte bemalte breite Seidenstoffbahn aufzuhängen, sie mit einem Ventilator zu bewegen und mit verschiedenen Lichtquellen wie Laser oder LED zu bestrahlen. Die Seidenbahn schlummert noch im Lager. Zur Probe habe ich von Kindern auf einer Computerpapier-Bahn verschiedene Muster malen lassen, was ich dann leider nicht weiter erfolgen konnte. Die Öffnung im OG- Boden lässt sich nur aufwändig durch eine einfache und sichere Konstruktion wiederherstellen. Vorteil ist jetzt der große ebene OG- Boden für Theater und Konzerte.

Die 4 Arbeitsplätze hatte ich für ZKM-Stipendiaten vorgesehen, die sich nach ihren 2 Jahren im ZKM selbständig machen und kreativ arbeiten wollten. So nahm ich den herausragenden Programmierer auf, der für den ZKM-Direktor Prof. P. Weibel persönlich arbeitete und der die lebendige Lichtwand der bedeutenden Licht- und Bühnenbildnerin Rosalie (Stuttgart) im Eingangsbereich des ZKM programmiert hatte. Ich hatte mit ihm einen Mietvertrag für das folgende Jahr abgeschlossen. Spontan hatte er ein Angebot einer australischen Künstlergruppe angenommen zur Mitarbeit an einem Kunstobjekt für die Biennale in Venedig. Er kündigte und verabschiedete sich nicht, sondern warf mir die Schlüssel in den Briefkasten und verschwand wortlos. Nach einem Vierteljahr tauchte er wieder auf und wollte ohne Erklärung seines Verhaltens hier einfach weitermachen. Ich verzichtete aber auf eine weitere Zusammenarbeit, da mein Vertrauen in ihn verloren ging. So blieb für mich nur eine herbe Enttäuschung zurück. Ich hatte ihn vorher eine größere Veranstaltung mit mehreren externen Künstlern, die auch den Garten mit spezieller Sensorik einbezogen, allein organisieren lassen mit erheblichen Geldaufwand aus der Kasse der Stiftung Kunst u. Technik (KuT). Das Ergebnis beim Publikum war durchwachsen. Eine gelungene Projektion von wechselnden Farben auf die Gefache der Hausfront unter Ausblendung der Fenster war erfolgreich. Ich telefonierte mit mehreren Bürgermeistern des Umlands und bot ihnen dieses Spektakel an. Die Resonanz war positiv. Der OB von Oberkirch lud ihn umgehend ein, ein markantes Fachwerkhaus zu beleuchten. Alle Unkosten einschließlich für Fahrt und Übernachtung sowie Honorar übernahm die Stadt. Der Bürgermeister von Gernsbach war auch sehr interessiert, musste nur noch den Gemeinderat fragen. Aber der Künstler reagierte nicht. Er schlug diese Einnahmequelle schweigend aus.

Die Mietwohnung von 140 qm habe ich durchweg bis 2018 nur an junge Paare mit kleinen Kindern vermietet. Diese Mietverhältnisse verliefen meistens ohne Streit, aber es gab auch einige böse Überraschungen, die zu ernsthaften, aber für mich erfolgreichen gerichtlichen Auseinandersetzungen führten, was mich nicht entmutigte. Einige Akteure in der Weingartner Gemeindepolitik bereiteten mir viel hässlichen Ärger, was ich nicht verschweigen will. So überraschten mich am 10.Nov. 2014 die großen roten Lettern des Schmähworts „ARSCHLOCH“ am Sockel meines Hauses, weit sichtbar im Ortskern! Diese Schmähung erinnerte mich spontan an ein frühes schockierendes Kindheitserlebnis: An die Schmierereien und Zertrümmerungen jüdischer Läden in Berlin 1938! Ist es wieder so weit?! Wer steckt dahinter?! Ein früherer lokaler Politskandal, vermute ich stark. 4 Tage vorher, am 6.Nov. stand wahrheitsgemäß und verständlich in dem Artikel der BNN über die „Schrumpel –denkmal-geschützte ehem. Brauerei Nagel“ in der Serie damals und heute, dass „der rührige Bürger Trauboth durch Zufall den Abriss der ehem. denkmal-geschützten Brauerei in letzter Minute verhindern konnte“. 2 Tage später am 8.11.14 erhielt ich eine diffamierende e-mail in gleicher primitiv mich verletzender Art wie in 2002. Sie war als Leserbrief von der BNN abgelehnt worden– sie kam von einer früheren gemeindepolitischen Führungsperson, die in ihrer Amtszeit wegen Amtsmissbrauchs 1982 abgesetzt wurde und eine einjährige Gefängnisstrafe (mit Bewährung) erhalten hatte. Bei der Bürgermeisterwahl 2002 bewarb sich diese Person abermals, was ich als einziger Bürger in der damaligen Gemeindeversammlung für untragbar öffentlich ablehnte! Vermutlich während der öffentlichen Weihnachtsfeier 2018 im F. H. wurde mir die verkabelte Computermaus meines wichtigen PC-Systems im F.H. heimlich gestohlen, so dass ich eine wichtige Vorführung im Jan. 2019 überrascht nicht durchführen konnte. Auch hier vermute ich die gleiche Quelle der bösen Tat.

Weitere Überraschungen bereiteten mir die als Treuhänder für die nicht-selbständige Stiftung KuT eingesetzten Institutionen wie das neugegründete KIT (hervorgegangen aus der Fusion von FZK und TU Karlsruhe) und danach die Bürgerstiftung Weingarten. Die gemeinnützige unselbständige Prof. Dr. Heinz Trauboth Stiftung „Kunst und Technik“ im Fränkischen Hof, Weingarten/Baden kurz Stiftung Kunst und Technik (KuT), wurde 1994 unter der Obhut des Forschungszentrums Karlsruhe (FZK) durch meine Initiative u. a. zur Unterstützung des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) gegründet. 2011 wurde sie im Zuge der Fusion von FZK und Technische Universität Karlsruhe (TU) zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ohne mein Wissen dem für mich anonymen Kultusministerium Baden-Württemberg in Stuttgart unterstellt.

In 2012 trat der neu gewählte Bürgermeister E. Bänziger, der die Idee der Bürgerstiftung mitbrachte, sein Amt in Weingarten/Baden an. Dieses Ereignis nahm ich zum Anlass, Ende 2011 die Stiftung Kunst und Technik (KuT) vom KIT weg unter die Bürgerstiftung Weingarten (BW) zu stellen. Dazu wurde ein Schenkungsvertrag zwischen dem KIT und der BW abgeschlossen, beurkundet von den Rechtsvertretern des KIT, der BW und einem Notar. Die ersten drei Jahre unter der ersten Vorstandsvorsitzenden der BW verlief meine Zusammenarbeit mit der BW reibungslos wie vorher während der 17 Jahre unter dem FZK. Mit dem Wechsel des Vorstands der BW unter dem neuen Vorsitzenden in 2015 forderte dieser nun von mir gegen meinen Willen, aber mit Zustimmung des Bürgermeisters, dass ich über bürokratische EXCEL-Formulare die Einladung von Künstlern zu Veranstaltungen in meinem Fränkischen Hof von ihm genehmigen lassen muss. Dies lehnte ich beharrlich ab mit dem Hinweis auf den gültigen Schenkungsvertrag. Der Vorstand der BW hat bis zuletzt alle meine mehrfachen Einladungen zu Gesprächen und Vorführungen ignoriert! Auch der Bürgermeister (BM) zeigte kein Interesse an der Stiftung KuT und ihrem Wirken. Er bezeichnete aber den Fränkischen Hof (F.H.) im Titel der BNN als Goldstücklein (,das man leicht versilbern kann, ergänzte ich!) Später erfuhr ich vom Anwalt des Bürgermeisters, nachdem dieser dem BM gekündigt hatte, dass der BM insgesamt 6 Sitzungen mit ihm über die Zukunft des Fränkischen Hofs hinter meinem Rücken geführt hatte. Ich kann nur spekulieren, da er nie mit mir über die Zukunft des F. H. und seine Vorstellung dazu gesprochen hatte. Daraufhin kündigte mir der Vorstand der BW die Stiftung Kunst und Technik (KuT) fristlos Ende 2018. Nach dieser unberechtigten Kündigung der Stiftung KuT durch die Bürgerstiftung Weingarten BW, wollte ich den Fränkischen Hof einer in meinem Sinne interessierten Kultur-Institution vermachen. (Meine beiden Töchter haben bereits 2 wertvolle Immobilien von ihrer verstorbenen Mutter, der Zahnärztin Dr. Lotti T., geerbt.) Ich bot nun der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) mein Anwesen für ihr Jugendbauhütten-Projekt als Stützpunkt an, den es im Südwesten Deutschlands damals nicht gab. Alle meine in 2019 vorgelegten Vorschläge zur sinnvollen Nutzung des Fränkischen Hofs, basierend auf meinen Erfahrungen der seinerzeitigen mehrjährigen Sanierung des maroden Anwesens u. a. mit Jugendlichen neben einem sizilianischen Arbeitstrupp und meinen reichen beruflichen Erfahrungen im Bereich der Prozess-DV-Systemtechnik lehnte die DSD ab. Sie wollte nur verkaufen und den Erlös anderweitig verwenden. Daraufhin nahm ich Ende 2019 Kontakt auf mit dem Deutsch-Amerikanischen Institut (DAI) in Heidelberg, das sofort großes Interesse zeigte an der Übernahme des Fränkischen Hofs samt dem vollständigen Inventar einschließlich der Stiftung Kunst und Technik (KuT) zur eigenen sinnvollen Nutzung auch im Sinne der Stiftung KuT. Da meine Frau zwei Tage vor Sylvester 2019 stürzte, sich dabei schwer verletzte und nach sieben qualvollen Wochen im Krankenhaus verstarb, wurde unser Gemeinsames Testament wirksam, das den Anteil meiner Frau, die Hälfte des Werts des Anwesens, versehentlich der DSD vermacht hatte. In 2020 verhandelten das DAI und ich gemeinsam zäh mit dem nun einsichtigen Vorstand der DSD zur gütlichen Übernahme des Fränkischen Hofs samt seinem vollständigen Inventar einschließlich der Stiftung KuT durch das DAI Heidelberg anstelle des DSD. Diese Übernahme wurde am 24.2.2021 rechtskräftig in Heidelberg notariell beurkundet. Nun endlich ist die nicht selbständige Stiftung KuT in sicherer Obhut des DAI Heidelberg.

Mit der Übernahme des Anwesens Fränkischer Hof incl. des Inventars und der Stiftung Kunst und Technik kann das Deutsch-Amerikanische Institut DAI eigene Akzente setzen. Ich hoffe und empfehle dem DAI, dass es damit auch leichter mit dem KIT Kontakt zur Zusammenarbeit in bestimmten Jugend-Bildungsbereichen aufnehmen kann. Ich wünsche dem DAI und seinem regen Freundeskreis, dass sie den Fränkischen Hof in ihrer Art und im Sinne der Stiftung Kunst und Technik auch über meine Zeit hinaus erfolgreich und innovativ weiterführen.

Zum Schluss noch eine zum Schmunzeln anregende Gegenüberstellung des Fotos eines ge-malten romantischen Stilllebens der hinteren Ecke des Haupthauses und der fotografierten rauen Wirklichkeit vor der Sanierung. Den Maler des Bildes und den Spender des gerahmten Bildes kenne ich nicht. Er schenkte mir wohl das Bild aus Sympathie zu Beginn meiner gewagten Sanierung.

Anmerkung:

Auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches waren eine Reihe von weiteren Konflikten mit dem Dreißigjährigen Krieg eng verbunden (Wikipedia):

  • der Achtzigjährige Krieg (1568–1648) zwischen den Niederlanden und Spanien
  • der Oberösterreichische Bauernkrieg (1626)
  • der Mantuanische Erbfolgekrieg (1628–1631) zwischen Frankreich und Habsburg
  • der Französisch-Spanische Krieg (1635–1659)

Quellenangabe:

  • Stammbaum und Grafik zur Einwohnerzahl von Wilhelm Kelch
  • Tausend Jahre Weingarten (Baden) von Wilhelm Kelch 1985
  • Die Geschichte der Juden in Weingarten von Hayo Büsing
  • Ortsippenbuch von Karl Diefenbacher
  • Heimatgeschichtliche Zahlen und Hinweise von Klaus Geggus