Sanierung des Fränkischen Hofs 1979 – 1981

erbaut 1621 gekauft 1978

Der Pelikan auf dem Gesindehaus ist hier das Symbol für die Auferstehung des Fränkischen Hofs

heute

Dieser Bericht soll den Bürgern Weingartens ins Bewusstsein rufen, dass der Fränkische Hof ein einmaliges Kulturdenkmal ist, das den nachfolgenden Generationen weitergereicht wird mit der Verpflichtung, es zu schützen und mit Leben zu füllen im Sinne der gemeinnützigen Stiftung Kunst und Technik gemäß dem Motto

„Das Gute erhalten, das Neue gestalten“.

Meine Frau und ich waren in 2014/15 erschrocken über das geringe Interesse der jungen Bewerber(innen) mit Kindern an dem historischen Ambiente unserer modern ausgestatteten Mietwohnung und des gesamten Anwesens. U. a. aus diesen negativen Erfahrungen beschleicht mich die Sorge, dass das Anwesen bald wieder verfallen wird. Daher will ich eindringlich daran erinnern, dass die Sanierung des 1978 gekauften maroden Anwesens mit enormen persönlichen Risiken und Mühen verbunden war. Ich besaß keine eigene entsprechende Erfahrung und ich war in meiner Berufstätigkeit sehr belastet. Ich war damals bereits 48 Jahre alt und wagte mich in dieses Abenteuer, da ich viel Erfahrung in der Entwicklung von unwägbarer Computer-Software- und Systemtechnik gesammelt hatte und ich diese Sanierungsaufgabe in ihrer Art als sehr ähnlich der meiner beruflichen Aufgabe sah. Der Meisterung dieser schwierigen, mit vielen Widrigkeiten belasteten Aufgabe entwuchs aber auch eine dauerhafte Bereicherung meines langen Lebens und ein großer Respekt vor den Leistungen unserer Vorfahren. Die Struktur der Räume bewirkt mit ihrer Harmonie ein einzigartiges wohltuendes Wohngefühl über Jahrzehnte. Kein Ziegel des alten vermoosten Gesindehausdachs musste in 35 Jahren ausgetauscht werden, im Gegensatz zu den Dächern mit neuen Ziegeln! Hof und Garten bringen die herrliche Natur in Einklang mit den Gebäuden; sie erblühen durch das unermüdliche tatkräftige Wirken meiner Frau. Die steuerlichen Vorteile des Denkmalschutzes ermöglichten mir die ausreichende Finanzierung der Sanierung, zumal damals bei einem hohen Hypothekenzinssatz von 11%!

Die neben dem Haus eingeschlagene Fliegerbombe beschädigte die nördliche Ziegelmauer im EG stark, während das alte obere elastische Fachwerk gut davonkam. Heute kann man in unserem Wohnzimmer die Vielfalt des Baumaterials sehen, das damals im Krieg zum Reparieren verwendet wurde wie Dachziegel, alte brüchige Ziegel, Holz und nachträglich Beton.

1978 habe ich das Anwesen für die hauptsächliche Nutzung durch die Familie einer alleinstehenden Frau mit sechs jugendlichen Kindern gekauft, die in einer beengten Wohnung in vorbildlicher Eintracht lebten, die aber für die heranwachsenden Kinder untragbar wurde. Diese Familie zog dann 1981 in Miete in das Haus ein. Für mich war der Besitz einer großen Werkstatt für Holzarbeiten wichtig als handwerklicher Ausgleich zu meiner überwiegenden Kopfarbeit als Leiter eines größeren ingenieurwissenschaftlichen Instituts der Angewandten Informatik (IAI) im Forschungszentrum Karlsruhe (FZK). Mich reizte auch sehr, das altwürdige verwunschene Anwesen mit vorwiegender Holzarbeit zu neuem Leben zu erwecken. Die fünf Jugendlichen der Familie, die hier mitwirkten und zu sehen sind, besuchten die Waldorf-Schule in Pforzheim. Sie waren sehr geschickt, überlegt und willig im gründlichen handwerklichen Arbeiten und Zusammenarbeiten. Zwei von ihnen wollten noch am Ende ihrer Schulzeit hier ihre Werkstatt bzw. ihr Büro aufmachen. Alle wurden nach dem Hilfix-Studentensatz entlohnt.

Zusammen mit den Jugendlichen führte ein vom Architekten geprüfter Trupp von sizilianischen vielseitig fähigen Arbeitern alle Abriss- und Bauarbeiten durch. Die fachliche gründliche Beratung durch mehrere lokale Handwerker und durch das Baustoffzentrum half uns enorm! Alle spezielle Fachkenntnisse erforderlichen Gewerke wurden von meist lokalen Handwerksbetrieben durchgeführt. Die Zusammenarbeit mit den vielen Handwerkern war insgesamt gesehen mit wenigen Ausnahmen hervorragend, was zur kurzen Zeit der Fertigstellung der Bauarbeiten wesentlich beitrug.

Zu bedenken ist die damalige wachsende gesellschaftliche Kritik der bundesdeutschen Politik an der Kernenergietechnik (1980 Gründung der GRÜNEN in Karlsruhe) und die daraus sich ergebende Änderung der F&E-Schwerpunkte des Vorstands des FZK, der mich nicht eingestellt hatte: weg vom Ausbau der Datenverarbeitung, hin zur Behandlung kerntechnischen Abfalls und zur Umwelttechnik. Dies führte zur Ablehnung von kerntechnischen Arbeiten mehrerer meiner jungen Mitarbeiter und zum Konflikt mit meiner Person als Leiter des IAI.

Außerdem kündigte mir der vom Denkmalschutzamt empfohlene Architekt spontan nach den Rohbauarbeiten Mitte 1980 wegen Überforderung in der Organisation. Die Kosten hatten sich gegenüber der Planung des Architekten bereits verdoppelt, was der Architekt versäumte mir mitzuteilen! Und dies trotz des Einsatzes vieler Hilfskräfte und der Streichung von Planungen. Es fand sich auch kein Nachfolger für ihn, so dass ich nun allein dastand für weitere fünf Jahre der Sanierung des gesamten Anwesens!

So manches Mal fühlte ich mich wie im (Alb)Traum vergebens gegen Windmühlen kämpfen, der aber dabei nicht den Mut verlor und seinen vergeblichen Kampf mit Gelassenheit fortsetzte.

So kam ich mir oft wie eine Schnecke vor, die langsam, aber sicher sich vorwärts bewegt und ihr Ziel bestimmt erreicht.

Wachte ich nach dem (Alb-)Traum in die Wirklichkeit auf, so bestürzten mich reale praktische Gedanken, wie ich die vielen Probleme lösen oder kompetente Menschen zur Lösung finden kann.

Dann wurde mir voll bewusst, dass ich ohne das real erfahrene Gottvertrauen das alles nicht geschafft und nicht alle Widrigkeiten überwunden hätte. Daher gebührt dem Gott Christi mein tiefempfundener Dank!

Und – wie soll ich diese Botschaft vom 10.Nov.2014 verstehen???
  1. Fränkischer Hof 1978 (Alter Zustand)

33 Jahre, eine Generation lang, nach Kriegsende blickt das stolze Haus immer noch traurig und ungepflegt auf den Ortskern von Weingarten! Es wartet auf einen Befreier aus seiner misslichen Lage – ähnlich wie viele Häuser in der DDR.

Allein der Denkmalschutz verhinderte den Abriss.

Im August 1978 kaufte ich das Anwesen, damals bekannt als „Gantner Kätl‘s“-Haus, von den Geschwistern Scholz, die in Stuttgart bzw. Freiburg wohnten, aufgrund einer Zeitungsanzeige eines Bruchsaler Maklers.

Einblick in den Hof, Blick nach links

Einblick in den Hof, Blick nach rechts

Hof mit Blick auf Scheune

Angebauter Schweinestall ( im 2. Weltkrieg?)

Remise mit Schweineställen Toilettenturm am Ende des Hauses
Die nördliche Mauer des Haupthauses sieht recht desolat aus. Hier mussten wie im gesamten Mauersockel die Fugen ausgekratzt und der teilweise harte alte Putz abgeschlagen werden, bevor der neue Putz aufgetragen werden konnte. Eine mühsame Kleinarbeit, die ich größtenteils selbst gemacht habe. Man sieht hier schön die Stein-Schiebetür des Kellers.
So sah der Keller unter dem Haus 1978 aus. Die Holztreppe führte vom Keller ins Haus.
Im verwilderten Garten mit Blick zur Scheune. Man sieht dazwischen Tomatenstauden, die der Mieterfamilie Kanafani gehörten, die im OG noch wohnten und erst im Juli 1979 auszogen. Im hinteren Teil des Gartens hat die Familie Zeh (im EG) einige kleine gepflegte Gemüsebeete angelegt. Sie zogen bereits im Januar 1979 aus.
Die Wildnis im Garten mit Blick von der Scheune im Rücken nach Westen
  1. Abbau der Treppe an der Hausfassade
Ulli und Peter sind erschöpft von der schweren Arbeit. Nur noch zwei Stufen müssen weggeschafft werden.

Ja, solch eine Sandsteinstufe hat es in sich. Da muß sich Ulli mächtig anstrengen!

Ulli und Peter sind erschöpft von der schweren Arbeit.

Nur noch zwei Stufen müssen weggeschafft werden.

 

Ja, solch eine Sandsteinstufe hat es in sich.

Da muß sich Ulli mächtig anstrengen!

 

Den Sackkarren über das holprige Pflaster

zu schieben, ist anstrengend.

 

Die schwere Steinplatte bewegen Ulli und Peter wie die alten Römer auf runden Holzbalken. Man kommt zwar nur langsam voran, aber es ist nicht sehr anstrengend.

 

….. und wer schaut da zu? (Na – der „Chef“)

 

  1. Fränkischer Hof – Abriss außen

Okt. – Dez. 1979

 

Die ersten (jugendlichen) Mieter des

sanierten Hauses reißen begeistert die

unbrauchbaren Teile des alten Hauses ab.

Sie waren nur schwer zu bändigen und

vor Unfall zu bewahren.

Abriss des hinteren Schweinestalls

mit Dach durch Ulli

 

Uli kann es gerade noch halten.

 

Geschafft!

Stolzer Ulli !

 

Wieder ein Stück weiter! Trotz Staub und Dreck, wir (Ulli und Heinz) fühlen uns wohl

und freuen uns über unsere gemeinsame Abrissarbeit

 

Nach dem Abriss des hinteren Schweinestalls sieht der Hof etwas gefälliger aus, so dass ein alter Tisch für das Vesper dienen kann.

Vorn ist Susanne, die Älteste (?)

 

Peter und Ulli haben sich das nächste Abrissobjekt vorgenommen, den Verschlag hinter der Schlachtküche,

wo mehrere Kaninchenställe untergebracht waren

 

Susanne und der „Chef“ Heinz schauen den beiden Brüdern von Susanne interessiert zu, wie sie den hinteren Teil des Gesindehaus-Anbaus mit seinen Hasenställen abreißen.

 

Andy schaut genüsslich auf seine beiden Brüder nach  getaner Arbeit

 

Hier sieht man die Tristesse, die das alte Anwesen dem Betrachter fühlen lässt, dass der Weg der Sanierung

noch sehr weit ist.

Vorn sieht man noch das „Scheißhäusel“ mit Mistgrube, das

aber nicht mehr in Gebrauch ist. Es muss natürlich auch abgerissen werden.

 

Tristesse pur.

Kann man da nicht trübselig werden?

Wir hoffen auf ein paar Sonnenstrahlen, die uns Mut machen werden.

 

Peter, der Jüngste, hat das Vordach über

dem Hauseingang und den drei

zugemauerten Fenstern (der späteren

Mietwohnung) fast vollständig abgerissen.

 

  1. Abriss/Ausbeinen innen Oktober 1979

 

Annette (die Jüngste), Peter und Schulfreund von Peter

 

Schulfreund und Peter transportieren den abgeschlagenen Putz auf den Anhänger

 

Der Nachbar holt den Anhänger mit seinem Traktor ab. Vorher richtet er noch die volle Ladung. Man brauchte damals nur eine einfache Genehmigung, um den Schutt auf den nahen Müllplatz im Westen von Weingarten zu fahren. Den Schlüssel für den Zugang konnten wir uns leihen.

 

Heinz, Ulli und Siggi, die Mutter der Jugendlichen, entfernen den groben Schmutz.

 

Beim Ausbeinen und Befreien der Balken von Nägeln, Gips (mit auf der Bohrmaschine aufgesetzten Drahtbürste oder mit Handdrahtbürste) und Schilfmattenresten fiel sehr viel Dreck an. Während Ulli noch mit dem Abkratzen von Dreckbatzen beschäftigt ist, fegt Siggi bereits den Boden sauber. Sie konnte den vielen Schmutz einfach nicht mehr ertragen.

 

Im 1. Stockwerk, vom späteren Frankenzimmer gesehen, mit alter Treppe nach unten.

Plan an der ausgebeinten Wand zum späteren  Biedermeier-Zimmer.

 

Blick in das Frankenzimmer und dahinter in das

Biedermeierzimmer.

 

Die Mauer zwischen Vorder-und Hinterwohnung war

noch nicht eingezogen.

 

Der vom Landesdenkmalschutzamt empfohlene Architekt ordnete uns an, alle Gefache herauszuschlagen und mit Gasbeton auszufüllen – so auch bei den Innenmauern, die mit Ziegeln ausgefüllt waren. Was für ein kostspieliger Irrtum, diese auch rauszuschlagen! Im Dachgeschoss verweigerte ich mich dann dieser Anordnung – ohne Schaden!

 

Annette blickt auf die nördliche Sandstein-Wand im späteren Fernsehzimmer im EG. Diese Wand fiel heraus beim Bombeneinschlag neben dem vorderen nördlichen Teil des Hauses 1945. Sie war nach der Reparatur mit Gips verputzt als Teil eines Bades.

 

Annette schlägt Gips von den Balken.

 

Annette und andere Schüler schaben Putz von Balken

 

Annette beseitigt Reste der Strohmatten von den Balken.

 

Im ehem. Speicher (heute Studio oder in Mietwohnung unter dem Dach) wurden die alten größtenteils wurmstichigen Bretter herausgerissen und dann in den Hof geworfen.

 

Im Großen Keller (unter dem Haupthaus) schlagen Schüler den alten Lehmputz in 14

Tagen ab und tragen dann rund Dreiviertel der Wände mit einer Quaste (dicken

Bürste) den Kalkzementputz auf. Das andere Viertel verputzte Heinz als Test.

 

Im ehem. Rübenkeller in der Scheune lagerten wir die alten Ton-Bodenplatten vom

Spitzboden des Haupthauses t. Sie wurden dann gereinigt und in der Galerie verlegt.

 

Die Planung des Architekten sah vor, dass die beiden alten Kamine im Haus abgerissen und neue hochgemauert werden. Den großen Aufwand dieser Maßnahme vor Augen, fand ich in den Gelben Seiten eine kompetente Kamin-Sanierungs-Firma. Diese ließ einen mit Leichtbeton gefüllten Behälter am Seil hängend, in den Kamin herab. Über einen Schlauch wurde der gelöcherten Behälter, der sich schnell dreht, mit Leichtbeton laufend gefüllt. Der Behälter wird dabei langsam hochgezogen, wobei der Leichtbeton herausgeschleudert und in

die Ziegelfugen hineingepresst wird. Beide Kamine wurden so an einem Tag wesentlich billiger dauerhaft saniert als nach dem vorgesehenen Plan! Eine große Kosten- und Zeitersparnis!