Kritik an der Unternehmensführung des SIEMENS-Konzerns und der des Zentrums für Kunst und Medien(technologie) ZKM

In meiner kritischen Betrachtung meiner Teilnahme an der frühen Entwicklung der Computertechnik im SIEMENS-Konzern lernte ich die fachlichen und organisatorischen Fähigkeiten und Charaktereigenschaften der Führungskräfte am Anfang ihrer steilen Kariere kennen. Aus diesen Erfahrungen war mir klar geworden, dass ideologische Gründe und Einflüsse, die auf den Prinzipien des Gründers Werner von Siemens aus dem 19. Jh. beruhen, vom Siemens-Familien-Verband, bestehend aus 150 (oder 300?) Siemens-Familien, die Ausrichtung der aktuellen SIEMENS-Führungselite bestimmen. Als dessen größter Einzelaktionär ist die Gründerfamilie bis heute im Aufsichtsrat mit 7-fachem Stimmrecht (!) vertreten. Die Ururenkelin Dr. phil. Nathalie von Siemens vertritt die Gründerfamilie im Aufsichtsrat. Sie sagte: Wir haben als Familie eine enge emotionale Bindung an das Unternehmen. Wir versuchen, die Tradition der Gründerväter lebendig zu halten.Der VV J. Kaeser: Jeder Mitarbeiter solle sich verhalten, als wäre Siemens seine eigene Firma. Dem Clan gefällt’s, in seiner sonst sehr knappen Stellungnahme gegenüber dem manager magazin billigt er Kaesers Familiensinn ausdrücklich.“ An Siemens‘ jährlichem Aktionärszahltag nach der Hauptversammlung strichen die Erben zuletzt im Schnitt eine Dividende von rund 580.000 Euro pro Kopf ein (Manager Magazin 6.10.2015).

Aufforderung an die Gilde der Historiker

Ich erwarte nun von der Gilde der Historiker die klare Beantwortung folgender Fragen:

  1. Zur SIEMENS-IT-Affäre

Warum erfährt der totale Abriss mit Einebnung des bedeutendsten SIEMENS-IT-Entwicklungszentrums (Zentrallaboratoriums ZL) für bis zu 28 000 (hoch)- qualifizierten Arbeitsplätzen keine Resonanz in der Gesellschaft und Presse? Dieses ZL wurde nach 1945 in München-Obersendling sehr erfolgreich aufgebaut und nun wurde der nackte Industriegrund an eine Wohnbaufirma verkauft! Der Stadt München gingen innerhalb von 10 Jahren rund 50.000 SIEMENS-Arbeitsplätze verloren! Wenn in Bochum beim Autobauer Opel 20.000 Bandarbeiter entlassen werden sollen, fühlt sich die Nation gefordert, die Kanzlerin zu rufen! In Deutschland sind mehrere Autofirmen beheimatet, die den Massenstau auf unseren Straßen gewährleisten, im Verdrängungswettbewerb, während die dringend benötigte moderne digitale IT-Infrastruktur in Europa – durch das Missmanagement des SIEMENS-Konzerns ursprünglich verursacht – nicht modernisiert wird! Die Staatsministerin für Digitalisierung (CSU) im Bundeskabinett seit 2018, die Dipl.-Politologin Dorothee Bär, hüllt sich beständig in Schweigen, während die neuen US-Internet-Giganten in Europa den freien Markt mit hohen Profiten beherrschen. Mittlerweile mischen die Chinesen auch im Wissenschaftsbereich mit, so im Höchstleistungs-Rechenzentrum HOREKA des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), wo am 30.6.2021 der neue Super-Computer. mit wichtigen Rechenkomponenten der chinesischen Firma Lenowo und der US-Firma NVIDIA mit einer Spitzenleistung von 17 PetaFlop/s eröffnet wurde!

Die Badischen Neuesten Nachrichten BNN, Karlsruhe berichten nur auf ihrer Kinderseite über dieses wichtige Ereignis!

Warum hat die sonst so kritische lokale Süddeutsche Zeitung SZ in München die schlimme Situation des SIEMENS-Konzerns verharmlosend nur als Enttäuschung der Siemens-Mitarbeiter angesehen und nicht die große negative Bedeutung für Gesellschaft und Wirtschaft Europas herausgestellt? (siehe hier) Gab es da eine Absprache mit SIEMENS?

Warum kann man keine Veröffentlichung des Vorstandsmitglieds zuständig für die gesamte Informationstechnologie des SIEMENS-Konzerns für 20 Jahre, Prof. Dr. Heinz Gumin, finden, wie mir der Geschäftsführer der Carl-Friedrich von Siemens Stiftung, Prof. Dr. H. Meier, energisch bestätigte? Gumin war ja für 24 Jahre Vorsitzender der einflussreichen Carl-Friedrich von Siemens Stiftung und für 7 Jahre Leiter der Führungsakademie! Obwohl bekannt war, dass er hauptverantwortlich für das totale Scheitern des gesamten IT-Bereichs des SIEMENS-Konzerns war. widmete SIEMENS Gumin zu seinen Ehren den Heinz Gumin Preis, den mit 50 000 € höchsten Mathematiker Preis. Auch kann Gumin keine eigene mathematische Leistung vorweisen! Auch seine angesehenen frühen Mathematik-Prof. Freunde der Universität Münster schwärmen nur von seinen großartigen Leitungen von Ausschusssitzungen.

Als ich im Mai 2017 die Informatik-Abteilung im Deutschen Museum (DM) besuchte, fand ich dort nur den Prototyp des ersten SIEMENS-Computers 2002 aus dem Jahr 1957 (!) vor, an dem ich meine Dr. Arbeit programmiert hatte! Die erfolgreichen Halbleiter-Computer von Nixdorf und Zuse neben den von SIEMENS in Lizenz vertriebenen Computern fehlen! Bis heute! Der Generaldirektor des DM versicherte mir, dass der baldige Umbau das ändern würde. Im Internet sehe ich kaum eine Änderung! Dieser Besuch veranlasste mich, mich mit SIEMENS neu zu beschäftigen. SIEMENS sitzt im Kuratorium des DM und ist nicht interessiert, dass seine unrühmliche Vergangenheit einem internationalen Publikum vorgeführt wird!

Der SIEMENS-Konzern hat in der F&E der computer-geprägten Informationstechnologie viel staatliche Unterstützung erfahren und ist deshalb verpflichtet offenzulegen, warum alle seine vielen Kooperationen mit deutschen, europäischen, amerikanischen und asiatischen Industriepartnern mit vielen verlorenen wertvollen Arbeitsplätzen gescheitert ist! Wie ich von einem Abt. Leiter der Nixdorf AG seinerzeit erfuhr, hat SIEMENS seine realitätsferne unflexible Management-Ideologie der Nixdorf AG arrogant übergestülpt. Wahrscheinlich praktizierte das SIEMENS-Management bei all seinen Partnern, wie Herr H. Gumin es bei mir mit deutsch-nationaler Überheblichkeit tat. Hier wirken wohl die SIEMENS-Stiftungen kräftig mit!

  1. Zur ZKM -Affäre

Anfang 2021 kaufte ich folgende beide antiquarischen Bücher über das Entstehen des ZKM, an dem ich aktiv über mehrere Jahre teilgenommen hatte:

  • Die 500-seitige ZKM-Chronik, Die Anfänge der Zukunft, von R. Funck, M. Heck und P. Weibel, 2014 und,
  • die 248- seitigen Lebenserinnerungen Weitergegeben von H. Klotz. 1999

In beiden Büchern fand ich keine Erwähnung der F&E-Arbeiten und der Mitarbeiter des weitgehend vom FZK/IAI über 2 Jahre finanzierten gemeinsamen Virtual Reality-Projekts EVE. Die vom Projektleiter Dr. Gruber, IAI entwickelte gesamte Steuerung enthält wesentliche Ergebnisse seiner Dr. Arbeit, die seinen Erfolg von EVE überhaupt ermöglichten! EVE war bei beiden ZKM Multimedialen Festen in der frühen Phase des ZKM die Hauptattraktion beim Publikum! Dieses erfolgreiche Projekt trug auch wesentlich zur Akzeptanz des ZKM in der Öffentlichkeit bei. Siehe hierzu Video von EVE in Aktion.

Das ZKM unterschlägt systematisch die Tatsache, dass das IAI/KfK durch seinen hervorragenden Projektleiter Dr. R. Gruber die wesentlichen technischen Arbeiten beim innovativen Projekt EVE unter schwierigen Umständen geleistet hat. So wird auch bei der Vermietung von EVE an das Museum in Madrid das IAI/KfK nicht genannt. Dieses Verhalten des ZKM empfinde es als eine Art des geistigen Diebstahls, was das Vertrauen zum Partner zerstört.

Auch die von mir initiierte und von Prof. H. Klotz unterstützte Stiftung Kunst &Technik (KuT) im FZK sind in beiden Büchern nicht erwähnt, wie auch nicht das Lob des Wissenschaftsrats an FZK und TU! H. Klotz war Vorsitzender des ersten Stiftungs KuT- Beirats, der aus den Leitern der Institutionen FZK, HfM und TU Karlsruhe bestand. H. Klotz verfasste den Flyer der Stiftung Kunst &Technik und ließ ihn für mich drucken. Wir haben viele Gespräche über die Ausrichtung des ZKM über einige Jahre geführt; ich fühlte mich mit H. Klotz freundschaftlich verbunden in gemeinsamer Sache! Wie ich jetzt feststelle, war das mein Trugschluss! Da er von der Technik nichts verstand, konnte und wollte er sich wohl auch nicht mit der Komplexität und dem Wert der Arbeit der Ingenieure und Informatiker befassen. Über die Rolle der Medientechnologie im von ihm vertretenen Zentrum für Kunst und Medientechnologie ZKM steht auch nichts in seinem Buch.

Das Buch von H. Klotz enthält auch keine Erwähnung der Künstlerin Sabine Schäfer, die H. Klotz über viele Jahre gefördert hatte und die die feierliche hochrangige Eröffnung des ZKM mit der von ihr komponierten elektronischen Raummusik erfolgreich umrahmte.

In H. Klotz‘s Buch kann ich nicht erkennen, welche künstlerische Entwicklungen die Kunst des ZKM angeregt haben und wie H. Klotz sich die neuartige Ausrichtung des ZKM vorstellte. Ich verspüre, dass er reiner Kunsthistoriker war, der einzelne Künstler der Vergangenheit (seine „Helden“) beschreibt, die aber keine Ideen für die zukünftige Entwicklung der Medientechnologie einbrachten. So wurde auch kein 3D-Panorama-Rundgang durch das ZKM entwickelt, wie er vorgesehen war. Diese 3D-Panoramatechnik hoher Qualität hat der von der Stiftung Kunst &Technik geförderte Torsten Hemke, Weimar/Frankfurt in großer Zahl von kulturellen Objekten für PCs, Tablets und Smartphones für viele namhafte europäische Kultur-Institutionen entwickelt.

Keine Einhaltung von Vereinbarungen durch ZKM und KIT in 2009 ruinierte bei mir die Vertrauensbasis der Zusammenarbeit! Die in großer Feierlichkeit und Öffentlichkeit mit einer begleitenden neuartigen künstlerischen elektronischen Installation wurde die Kooperation ZKM und KIT eröffnet. Zur Übernahme und Weiterentwicklung dieser Installation ließ ich meine Scheune mit viel eigenem Geld umbauen. Es stellte sich dann heraus, dass diese Kooperation nur eine plumpe Werbeaktion war.

In 2014 hat das ZKM unter seinem Direktor Prof. P. Weibel und dem Vorsitzenden des Kuratoriums Prof. M. Popp (ehem. Vorstandsvorsitzender des FZK) den Namen des ZKM zu Zentrum für Kunst und Medien (ohne technologie) geändert. Begründung: In der Kunst- und Kulturwelt hat man sich in den letzten Jahren von dem Begriff „Technologie“ verabschieden wollen, da er heute etabliert ist (lt. ZKM-Förderverein).

Für mich bedeutet diese Änderung des Namens aber: Änderung der Funktion und Aufgabe des ZKM, weg von einer zukunfts-orientierten F&E-Einrichtung hin zu einem rückwärts-gerichteten Museum! So ist ja das von P. Weibel über einige Zeit eingerichtete wissenschaftliche Grundlagen-Kompetenzzentrum des ZKM gescheitert und schweigend aufgegeben worden. Auch sind die beiden F&E-Institute für Bildmedien und für Musik und Akustik bedeutungslos geworden.

Als Gründungsmitglied des ZKM-Fördervereins erhielt ich keine Einladung zur ZKM-Satzungsänderung wegen der Namensänderung. Ob es überhaupt eine Satzungsänderung gab, weiß ich nicht.

Im Buch von H. Klotz finde ich auch keine Aussage über die Zielsetzung des ZKM.

Ich meine, dass das Center for Advanced Visual Studies (CAVS) im MediaLab des MIT, geleitet vom Kinetischen Künstler Otto Piene von !974-1994, als Vorbild galt.

Es ist auch bemerkenswert, dass die Leiter zweier staatlich geförderter moderner Kulturinstitutionen ZKM und sein Kuratorium, d. i. P. Weibel (77 J.) und M. Popp (80 J.) bereits weit ihre Altersgrenze überschritten haben!

Ich möchte noch betonen, dass ich in meinem hohen Alter von 90 Jahren und 80%-iger Schwerbeschädigung für Historiker nicht mehr lange als vielleicht letzter Zeitzeuge zur Verfügung stehen kann. Mit meiner Entwicklungsarbeit bereits in den frühen 1960-iger Jahren habe ich bewiesen, dass die Digitale Simulation auf einem gängigen Digitalcomputer gegenüber der Analogen Simulation auf dem Spezial-Analogcomputer auch bei der Analyse der Simulations-Ergebnisse die örtlich verteilte digitale Verarbeitung ermöglicht und große zeitliche und wirtschaftliche Vorteile bringt!